Pneumatikschulung
Kapitel 4 - Aufbau und Wirkungsweise von Wegeventilen
1. Direktgesteuerte Magnetventile
Direkt gesteuerte Magnetventile sind typischerweise Sitzventile. Die Bewegung des Ventiltellers öffnet oder schließt den Weg des Mediums.
Die untenstehende Illustration zeigt die Schnittzeichnung eines elektrisch betätigten, direkt gesteuerten 3/2-Wegeventils.
Dieses Ventil kann einen Druck bis 10 bar nur bei relativ kleinen Nennweiten steuern. Deshalb sind auch die Durchflüsse relativ gering. Wenn die Nennweite erhöht werden soll, steigt die elektrische Leistungsaufnahme analog dazu.
Wirkungsweise:
Das Ventil wird an Anschluss 1 mit Druckluft beaufschlagt. Die Federkraft hält den Ventilteller auf dem Ventilsitz. Anschluss 1 ist geschlossen; das Ventil ist von Anschluss 2 in Richtung Anschluss 3 offen. (Dies ist die Grundstellung eines 3/2-Wege-Ventils.)
Sobald elektrischer Strom auf die Spule gegeben wird, hebt sich der Ventilteller zwischen Anschluss 1 und 2. Gleichzeitig wird der obere Ventilteller zwischen 2 und 3 auf seinen Sitz gepresst. Die Druckluft strömt von 1 nach 2; 3 ist geschlossen.
Wenn die Steuerspannung abfällt, schaltet das Ventil in seine Grundstellung zurück (1 geschlossen, offen von 2 nach 3).
WICHTIG! Bei direkt gesteuerten Magnetventilen können wir das Ventil nur durch das erzeugte Magnetfeld betätigen. Daher wird diese Steuerungsart meistens bei Ventilen mit kleinem Durchmesser verwendet. Die Magnetkraft muss die Federkraft, die den Ventilteller in Grundstellung auf dem Sitz hält, überwinden.
Es gilt: Die Kraft der mechanischen Feder, die den Anker auf den Ventilteller drückt, muss größer als die Kraft des anliegenden Mediums sein. Die Magnetkraft muss wiederum größer als die Kraft der mechanischen Feder sein.
Wie funktionieren direkt gesteuerte Ventile mit größerer Nennweite?
Die Darstellung zeigt die Schnittzeichnung eines direkt gesteuerten 2/2-Magnetventils.
2. Vorgesteuerte Kolbenschieberventile
Vorgesteuerte Ventile (Kolbenschieberventile) bestehen aus zwei Teilen. Die Illustration zeigt die Schnittzeichnung eines vorgesteuerten 5/2-Wege-Magnetventils:
Das Vorsteuerventil ist ein 3/2-Wege-Sitzventil. Das Hauptventil ist ein 5/2-Wege-Kolbenschieberventil.
Eigenschaften des Hauptventils:
Aufbau: Schieberventil
Die axiale Bewegung des Kolbenschiebers erzeugt die Verbindung der entsprechenden Anschlüsse.
Zur Bewegung wird die Energie der Druckluft verwendet.
Steuerung: elektrisch gesteuert
Wir steuern das Vorsteuerventil elektrisch. Dies funktioniert identisch zum oben dargestellten 3/2-Wege- Sitzventil.
Steuerungsmethode: vorgesteuert
Das Vorsteuerventil regelt die Steuerluft, welche intern durch Anschluss 1 in den Vorsteuerkopf geleitet wird. Die Steuerluft wird dazu verwendet, den Kolbenschieber im Hauptventil zu bewegen.
Anzahl der stabilen Stellungen: eine = monostabil
Das Ventil hat eine stabile Stellung. Nimmt man das elektrische Signal weg, wird der Kolbenschieber mithilfe einer mechanischen oder pneumatischen Feder (oder Kombination aus beiden) in die Grundstellung zurückgestellt.
Schaltposition: Im Fall von 5/2-Ventilen gibt es kein normal offen oder geschlossen. Das Ventil ist in Grundstellung offen von 1 nach 2. Betätigt ist es offen von 1 nach 4.
Anzahl von Anschlüssen und Schaltstellungen: 5/2-Wege
Das Ventil hat 5 Anschlüsse und 2 Schaltstellungen.
Die Eigenschaften von HAFNER-Kolbenschieberventilen:
- Nennweite: DN 3 … 18 mm
- Arbeitsdruck: PN 10 bar
- Durchfluss: QN 200 … 6.000 l/min
- Anschlüsse: M5 … G3/4“
- Medium: Druckluft
- Elektrische Leistung: 3W/5VA
Kolbenschieberventile können auch mit größeren Nennweiten bei gleichzeitig geringer Leistungsaufnahme realisiert werden. Der maximale Betriebsdruck ist in der Regel 10 bar (Sonderlösungen auch bis 15 bar). Für die korrekte Funktion der Geräte ist allerdings ein Mindestdruck notwendig. Unterhalb des im Katalog angegebenen Mindestdrucks hat das Medium nicht ausreichend Kraft, um den Kolbenschieber zu bewegen.
In dieser Tabelle fassen wir schematisch die Vor- und Nachteile zusammen:
|
Direktgesteuerte Ventile mit kleinem Durchfluss |
Direktgesteuerte Ventile mit großem Durchfluss |
Vorgesteuerte Kolbenschieberventile mit großem Durchfluss |
|
|
Nennweite / Durchfluss |
Klein |
Groß |
Groß |
|
Max. Arbeitsdruck |
Groß |
Klein |
Groß |
|
Min. Arbeitsdruck |
0 |
0 |
0 |
|
Elektrische Leistungsaufnahme |
Niedrig |
Hoch |
Niedrig |
Die untenstehende Darstellung zeigt die Schnittzeichnung eines vorgesteuerten 5/2-Wege Magnetventils:
Die Wirkungsweise von monostabilen HAFNER-5/2-Wege-Magnetventilen (Typ MH 510/MD 510/MMD 510)
Die Druckluft wird an Anschluss 1 am Ventil angeschlossen. Sie strömt durch die axiale Bohrung im Kolbenschieber in das Ende des Ventils (zur Deckelbuchse). Dort bildet die Druckluft eine Luftfeder und der Kolbenschieber fährt in die Grundstellung. Gleichzeitig wird jedoch auch das Vorsteuerventil durch die Betriebsluft-/Steuerluftbohrung (blau markiert) mit Druckluft versorgt. (Ventile können auch mit einer mechanischen Feder ausgestattet werden.) Die verschiedenen Räume im Ventilkörper werden durch das Dichtsystem voneinander abgetrennt. In der Grundstellung strömt die Druckluft vom Anschluss 1 in Richtung Anschluss 2. Ferner ist das Ventil von Anschluss 4 nach Anschluss 5 verbunden (=Entlüftung). Der Anschluss 3 ist geschlossen.
Das Hauptventil wird durch ein direktgesteuertes 3/2-Sitzventil gesteuert, das die Betriebsluft durch die im Ventilkörper geführte Steuerluftbohrung erhält. Wenn die auf dem Ankerrohr sitzende Magnetspule elektrisch betätigt wird, hebt sich der Hubanker (= Ventilteller) von seinem Sitz und die Druckluft strömt in den Ventilkörper ein. Die Fläche des Antriebskolbens auf der Magnetseite ist größer als die des Kolbenschiebers auf der anderen Seite (Differenzkolben). Darum ist die Kraft bei gleichem Druck größer und der Kolbenschieber bewegt sich in Richtung der Deckelbuchse. Folge: Das Ventil schaltet um; die Druckluft an Anschluss 1 strömt jetzt durch Anschluss 4. Ferner entlüftet das Ventil von Anschluss 2 nach Anschluss 3. Wenn die Spannung von der Magnetspule genommen wird, schließt die mechanische Feder in der Vorsteuerung die Druckluftzufuhr. Die Steuerluft entweicht über das Ankerrohr. An der Luftfeder wird die anstehende Kraft wieder größer als auf der Magnetseite und der Kolbenschieber bewegt sich in die Grundstellung zurück.
Spezifische Eigenschaften von HAFNER-Ventilen und das einzigartige Dichtsystem des „Schwimmenden O-Rings“
Mithilfe von hochwertigen Materialien und modernen Produktionsprozessen können wir eine Produktfamilie von hoher Qualität und zuverlässiger Funktion herstellen.
HAFNER bietet auch Spezialausführungen an, unter anderem:
- Edelstahlventile
- Tieftemperaturventile (bis -50°C)
- Sitzventile aus Polyamid
- Ventile zur Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen (mit ATEX- Bescheinigung)
- Kombinationen dieser Ausführungen
Die Eigenschaften des dynamischen Dichtsystems „Schwimmender O-Ring“
Ohne Druck „hängt“ der O-Ring locker in seiner Halterung. Er ist praktisch nicht vorgespannt. Der Luftdruck erzeugt die Dichtwirkung, indem er den O-Ring in die notwendige Position drückt.
Durchflussangaben:
Aus praktischen Gründen enthält unser Katalog die Werte des nominalen Durchflusses in l/min (Liter/Minute). Der nominale Durchfluss wird nach Norm wie folgt gemessen: Eingangsdruck p1=6 bar, Gegendruck 5 bar, der Durchflusswert der Druckluft (angegeben in l/min), im Fall eines Druckabfalls von Δp=1 bar. Angegeben wird das Volumen der „entspannten“ Druckluft, d.h. fünf Mal so viel, wie tatsächlich fließt!
WICHTIG!
Einige Hersteller geben den „maximalem Durchflusswert“ an, der bei maximal zulässigem Arbeitsdruck gemessen werden kann. Dieser Wert ist deutlich höher.
Wenn das geplante System mit deutlich geringeren Drücken als 6 bar gefahren werden soll, müssen größere Nennweiten in den Ventilen vorgesehen werden!
HAFNER Pneumatik bietet ein umfassendes Programm an direkt gesteuerten Sitzventilen und Kolbenschieberventilen: Mit Anschlussgrößen M5 bis G ¾“ und einem maximalen Durchfluss von bis zu 6.000 l/min!
In einem weiteren Kapitel werden wir näher auf das Thema Prozessventile eingehen. Diese Sitz- und Membranventile dienen in aller Regel nicht der Steuerung von Druckluft, sondern sind für andere Medien vorgesehen.